Schwarzer Holunder – Sambucus Nigra

HOLLER, HOLDERBUSCH, FLIEDER

Der Hollerstrauch ist eigentlich die erste Pflanze die mich vor Jahren schon für die Siruperzeugung begeistert hat. Die Blüten duften im Mai/Juni wunderbar süß und fruchtig. Sie sind in aufrechten Rispen am Hollerstrauch zu finden. Man sieht mich dann immer mit Korb und Schere bewaffnet los ziehen und die duftenden Blüten ernten, die ich dann zu herrlichem Sirup verarbeitet werden. Die Blütenrispen kann man aber auch in Back- oder Bierteig eintauchen und in Öl backen. Hollersekt wird auch gerne hergestellt.

Wenn meine Kinder, vor allem als sie noch klein waren, verschnupft waren, bekamen sie immer Globuli Sambucus Nigra von mir. Ein wunderbares Mittel! Unterstützend natürlich auch Hollerblütentee. Den tranken sie immer sehr gerne, denn der Tee schmeckt leicht süß. Der Blütentee ist schweißtreibend und schleimlösend. Früher verwendete man diesen Tee auch bei Magenbeschwerden. Die Blüten werden bei der Weißweinerzeugung auch zum Aromatisieren verwendet.

Ich ernte aber nie alle Blüten, damit im August/September auch die Früchte reifen können. Die Früchte sollte man nicht roh essen, da sie zu erbrechen, leichten Krämpfen, starkem Durchfall und Magenbeschwerden führen können. Durch Erhitzen sind die Früchte genießbar. Die Früchte sind am Anfang rot und werden fast schwarz wenn sie reif sind. Sogar der Stängel wird rot. Sie sind ca. 6 mm groß und haben 3 Samen. Früher wurden sie sogar zum Haare und Leder färben verwendet. Heute wird bei der Rotweinerzeugung der Holler zur Farbgebung dazu gegeben. Die Früchte koche ich mit Zwetschken, Birnen, Äpfel zu einem köstlichen Hollerkoch. Der schmeckt zu Kaiserschmarrn besonders gut. Aus den Früchten kann man einen Saft herstellen, der Verdauungsfördernd ist. Aus eigener Erfahrung bei der Früchteverarbeitung kann ich nur empfehlen, Handschuhe zu tragen, sonst hat man einige Tage blau/violette Finger.

Beim Holz des Hollers gibt es eine Besonderheit, denn die jungen Äste haben ein ganz weiches Mark, das sich wie Schaumstoff anfühlt. Aus diesen Ästen haben sich die Kinder früher Hollerpfeiferl gebastelt.

Der Hollerbusch wurde schon früher sehr geschätzt. Er durfte in keinem Hausgarten fehlen, denn er war der Lebensbaum. Er wurde immer in Haus nähe gepflanzt um vor schwarzer Magie, Hexen, Feuer und Blitzschlag zu schützen. Einen Hollerstrauch zu schneiden oder gar umzuhacken galt als großes Unglück oder brachte sogar den Tod in die Familie. Auch ein verdorren des Hollerstrauches zeigt den Tod an. Im Hollerstrauch wohnten die guten Geister und Beschützer des Hauses. Man sagte sich auch, dass man unterm Hollerstrauch vor Schlangenbissen und Mückensticken sicher ist.

Frau Holda war eine germanische Haus- und Fruchtbarkeitsgöttin.

Familie: Moschuskrautgewächs (Adoxaceae)
Gattung: Holunder (Sambucus)
Größe: bis 11 m
Blätter: gegenständig unpaarig gefiedert, elliptisch und am Rand gesägt, bis ca. 12 cm lang, entwickelt sich März/April
Holz: das junge Holz hat ein weiches schaumstoffartiges Mark
Blüten: Mai/Juni erscheinen am jungen Holz bis zu 30 cm große, flache Schirmrispen aus vielen Einzelblüten, duften fruchtig/süß, weiß bis gelblich, 5 Kelchblätter, 5 Kronblätter u. 5 freie Staubblätter mit gelben Staubbeutel, die Blüten werden von Fliegen und Hautflüglern besucht.
Früchte: August/September bilden sich die Anfangs roten und dann schwarzen 6 mm großen Früchte, 3 Samen, Stiel wird dann auch rot
Verbreitung: Europa, Westsibirien, nördliches Indien, Kaukasus, Kleinasien, Nordafrika
Inhaltsstoffe: Früchte: Vitamin C (bis 300 mg/100g), Kalium, Vitamin B, Fruchtsäure, ätherische Öle, Flavonoide, Anthozyan (Farbgebung), Antioxidans schützt die Zellmembran vor freien Radikalen und so die Pflanzenzellen vor Alterung und das wirkt auch beim Konsumenten der Früchte
Blüten: ätherische Öle
Sammelzeit: Blüten – Mai/Juni
Früchte – August/September
Verwendung: Blüten: als Tee, schweißtreibend und schleimlösend, Magenbeschwerden, zum Aromatisieren von Weißwein, gebackene Hollerblüten (Hollerküchle), Hollersirup, Hollersekt, Holleressig
Früchte: haben eine leicht abführende Wirkung, früher zum Färben der Haare und Leder, zur Farbgebung von Rotwein, Hollerkoch (Birnen, Zwetschken, Äpfel), Gelee, Saft
Giftigkeit: die Beeren sollte man nicht roh zu sich nehmen, durch Erhitzen verlieren sie die Giftigkeit

Rezeptempfehlung:
Hollerkoch Variante 1: 700 g Hollerbeeren, 300 g Zucker, 1 Liter Rotwein, 1 Zimtrinde, 250 g Zwetschken
Die Zutaten in einen Topf geben und ca. 1,5 h einkochen lassen, noch heiß abfüllen.

Hollerkoch Variante 2: 250 g Holler, 80 g Zucker, 100 g Zwetschken entkernt und geschnitten, 100 g Apfelstückchen, 250 ml Wasser, 40 ml Rotwein, 1 Prise Nelkenpulver, 1 Prise Zimt, etwas Zitronenschalenabrieb, 10 g Vanillezucker, 10 ml Rum, 30 g Maizena oder Vanillepuddingpulver mit etwas Flüssigkeit verrührt
Alle Zutaten bis auf das Maizena aufkochen und etwas reduzieren lassen, dann das Maizena einrühren und nochmals aufkochen lassen, servieren.

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